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Wienerlied

Kollegium Kalksburg – weid sama kuma

  • Lange haben wir hin und her überlegt, ob wir überhaupt noch eine CD produzieren sollen; immerhin machen diese Scheiben (aus was sind die eigentlich?) sehr viel Mist, für die Verpackung müssen Wälder gerodet und Zellophanplantagen geplündert werden – nicht zu vergessen die möglicherweise auftretende akustische Umweltverschmutzung in U-Bahn- , Tramwei- oder Überlandzügen. Aber, wie schon so oft, um nicht zu sagen immer in unseren Leben, konnte sich ein unbändiger Kunstwille gegen diverse ökonomische und -logische Vernunften durchsetzen! Und unser ökologischer Fußabdruck nähert sich inzwischen der Größe von Rübezahls Hauspatschen: «weid sama kuma» PS: Die Liedtexte können Sie im Internet nachlesen, das Booklet haben wir uns dann doch verkniffen ...

    www.kollegiumkalksburg.at

    »Weid sama kuma« - Off Shore

    Die Schlitzohrigkeit der drei heuer fünfzig gewordenen Bewohner der Kalksburg (Heinz Ditsch, Paul Skrepek und Vinzenz Wizlsperger) zeigt sich schon im Titel dieses nach einigen Verzögerungen endlich erschienen Albums. »Weid sama kuma« titelt die CD, das dritte Stück heißt »Von weid sama kuma«, was ja etwas völlig anderes zum Ausdruck bringt. Ein Verwirrspiel? Egal. Eindeutiger beginnt das Album mit»Blauboad«, einem Artmann-Text vertont und rezitiert von Ernst Kölz, in dem Herr Ditsch gleich mal die singende Säge anwirft um die spooky Atmosphäre des Monologs von Frauenmörder Blaubart zu unterstreichen. In »am nil« kommt mit dem Kasperl-Krokodil aus der Urania bereits das erste Tierchen ins Spiel, und von Tieren wimmelt es nur so in »fridattencouplet«, einem aberwitzigen Song über die artgerechte Haltung von Ungeziefer im Haushalt bzw. das ordentliche Zusammenleben mit diesem. Neben den bekannten Wienerliedinhalten geht es in WSK ganz schön oft ums Essen (soll ja ab einem gewissen Alter den Sex ersetzen), etwa in »Woidfiadla« Einem Stück, in dem Ditsch die Quetschn zum Bandoneon macht und Skrepek zum Guitarrero wird, welches eher zur Milonga mit Astor Piazzola passen würde als zum Absturzheurigen. Fleischliche Genüsse dominieren auch in »fleischhokka«, allerdings wieder nur oral zugeführte, dafür bekommt das bekannteste Ferkel des Landes ein Zitat. Im Mittelteil wird dieser durchgeknallte Track allerdings in die Echokammer gesperrt, was ihn zum vermutlich ersten Wienerlied mit Dub-Elementen macht. Ein kleines Georg Danzer-Memorial errichtet das Trio mit dem nur als Hidden Track erschienenen, verzweifelten »Zeitansage«, und dem»Vorstadtcasanova« (mit einem eingeflochtenen »Autumn Leaves« ) in der Erwachsenenversion. Bei der allerdings der Futkarli und die Schickfut mit dem spätestens seit Cashs »A Boy named Sue« bekannten Piepston unkenntlich gemacht wurden. Bauchkrämpfe vor Lachen dürften die drei Berufsjugendlichen bei der Aufnahme bekommen haben. Wenn es einen Beweises bedurft hat, dass die gemeinsame Sprache das Trennendste zwischen Germanen und Alpenländern ist, dann ist er mit »Reimschule Rennweg«erbracht: Wizlsperger sprudelt aufs komischste mit seiner auf tief geschraubten Stimme heraus was es nicht alles im dritten (Wiener Gemeindebezirk) gäbe, darüber übersetzt Martina Zinner simultan auf Piefkenesisch. Eine dieser beiden Sprachen kann nicht zur indogermanischen Sprachfamilie gehören ist man spontan geneigt zu glauben. Eine Groteske in drei Minuten, ja eine Dub-Version der anderen Art! Von wegen, die machen eh »imma des söwe«. »1. Mai 2008« gegen Ende ist ein Musikdramolett von und mit Antonio Fian, der sich dem leidigen Thema Rauchverbot annimmt und dessen Übergewichtung im politischen Diskurs endlich einmal humoristisch entlarvt. »Wir sind die Nichtraucher von Wien«. Ja natürlich! Danke.
    Stefan Koroschetz

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